News

Prozessanalyse Tools: Arten, Auswahl, Grenzen

· DigifyNow

Read in English

Es gibt drei Arten von Prozessanalyse-Tools. Flussdiagramm-Werkzeuge halten einen erfragten Ablauf fest. BPMN-Modellierer bilden ihn nach einem Standard ab, mit Zuständigkeiten, Entscheidungen und Ausnahmen. Process-Mining-Software setzt den tatsächlichen Ablauf aus den Ereignisprotokollen von ERP, CRM oder Ticketsystem zusammen. Dafür braucht jedes Ereignis eine Fall-ID, eine Aktivität und einen Zeitstempel. Im KMU reicht meist die Modellierung nach Interviews. Mining lohnt sich erst, wenn der Ablauf größtenteils in einem einzigen System läuft.

Welche Arten von Prozessanalyse-Tools gibt es?

Prozessanalyse Tools unterscheiden sich vor allem darin, woher ihre Daten kommen. Werkzeuge für Flussdiagramme und BPMN zeigen, was Menschen über einen Ablauf erzählen. Process Mining zeigt, was Systeme tatsächlich protokolliert haben. Arbeitsmanagement-Plattformen analysieren eher wenig. Sie steuern Aufgaben und machen nebenbei sichtbar, wo etwas liegen bleibt. Wer zuerst die Datenbasis klärt, hat die Auswahl schon halb erledigt. Wie man einen Ablauf vorher Schritt für Schritt aufnimmt, steht im Artikel Prozessanalyse mit Vorlage und Beispiel.

Kategorien von Prozessanalyse-Tools nach gleichen Kriterien. Process-Mining-Beispiele laut einer Übersicht in den Suchergebnissen (März 2023). Stand: November 2026
KategorieDatenbasisPasst, wenn …Stößt an Grenzen, wenn …Beispiele
Flussdiagramm und WhiteboardInterviews, Workshop, Beobachtungein Ablauf zum ersten Mal sichtbar gemacht und im Team besprochen werden sollVarianten, Ausnahmen und Zuständigkeiten dazukommen und das Bild unübersichtlich wirddiagrams.net (draw.io), Microsoft Visio, Miro
BPMN-ModellierungInterviews und Dokumente, als Standardnotation erfasstAbläufe dokumentiert, abgestimmt oder später automatisiert werden sollenniemand das Modell pflegt und es nach Monaten nicht mehr dem Alltag entsprichtCamunda Modeler, bpmn.io, SAP Signavio, ARIS
Process MiningEreignisprotokolle aus ERP, CRM, Ticketsystemviele Fälle desselben Ablaufs in einem System mit Zeitstempeln laufenSchritte auf Papier, per E-Mail oder per Telefon passieren und deshalb im Protokoll fehlenCelonis, Disco, Minit, QPR
Arbeitsmanagement-PlattformAufgaben und Status, die das Team selbst pflegtder Ablauf ohnehin über Boards und Aufgaben gesteuert wirdStatus nicht gepflegt werden oder der Ablauf zum größten Teil in anderen Systemen läuftmonday.com, Asana
Illustration zur Frage „Welche Arten von Prozessanalyse-Tools gibt es?“
KI-generiertes Bild

Wann reichen Flussdiagramm und Whiteboard?

Ein Flussdiagramm genügt, solange es nur um eine Frage geht: Wie läuft das bei uns eigentlich? In einem Workshop mit allen Beteiligten zeichnet man Start, Schritte, Entscheidungen und Ende und markiert dann die Stellen, an denen Arbeit wartet oder doppelt gemacht wird. Dafür reicht jedes Zeichenwerkzeug. Oft sind Haftnotizen an der Wand sogar besser, weil jeder selbst etwas umhängen kann.

Das Flussdiagramm kippt bei Varianten. Gibt es für Eilaufträge, Reklamationen und Neukunden jeweils einen eigenen Weg, wird aus dem Diagramm ein Knäuel aus Pfeilen. Außerdem fehlt eine feste Notation dafür, wer einen Schritt erledigt. Das ist aber genau die Information, die man für eine spätere Automatisierung braucht. Schwierig wird es auch, wenn das Bild nur als Foto im Chat landet. Dann lässt es sich nicht weiterbearbeiten, und beim nächsten Termin fängt man von vorne an. Speichern Sie das Ergebnis deshalb gleich in einem Format, das sich bearbeiten lässt.

Was leistet BPMN-Modellierungssoftware?

BPMN (Business Process Model and Notation) ist eine standardisierte Notation für Geschäftsprozesse. Sie trennt Ereignisse wie Auftragseingang, Aktivitäten wie die Prüfung der Bonität und Gateways, also Verzweigungen nach einer Bedingung. Zuständigkeiten stehen in Bahnen (Lanes). So ist auf einen Blick erkennbar, wo ein Vorgang von einer Abteilung in die nächste wechselt. An diesen Übergaben entstehen in der Praxis die meisten Wartezeiten.

Der Vorteil gegenüber einem freien Diagramm ist die Eindeutigkeit. Ein BPMN-Modell lässt sich als Datei austauschen, und einige Werkzeuge wie Camunda können es direkt als Grundlage für die Ausführung verwenden. Die Grenze ist der Aufwand. Die Notation kennt viele Symbole, und wer sie nicht kennt, kann das Modell nicht prüfen. Eine bewährte Regel lautet deshalb: Für Workshops nur Start, Ende, Aufgabe, Gateway und Lanes verwenden. Alles Weitere ergänzt eine Person, die die Notation beherrscht. Wie die einzelnen Abläufe zueinander passen, zeigt die Ebene darüber, die Prozesslandkarte mit Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozessen.

Illustration zur Frage „Was leistet BPMN-Modellierungssoftware?“
KI-generiertes Bild

Wie funktioniert Process Mining und was braucht es dafür?

Process Mining setzt den Ablauf aus Daten zusammen, die ohnehin entstehen. Grundlage ist ein Ereignisprotokoll (Event Log), in dem jede Zeile mindestens drei Angaben enthält: die Fall-ID, zum Beispiel eine Auftragsnummer, die Aktivität, zum Beispiel „Rechnung gestellt“, und den Zeitstempel. Die Software sortiert alle Ereignisse eines Falls nach der Zeit und legt Tausende Fälle übereinander. Am Ende entsteht eine Landkarte mit allen tatsächlich gelaufenen Varianten und den Wartezeiten zwischen den Schritten.

Die Arbeit steckt in der Datenbeschaffung. Eine in den Suchergebnissen zitierte Anleitung zur Prozessanalyse (Oktober 2021) weist darauf hin, dass für das gewählte Process-Mining-Tool zusätzlich ein Konnektor entwickelt werden muss. Er holt die Daten aus dem Quellsystem und bringt sie in das Format des Ereignisprotokolls. Gibt das System keine Zeitstempel je Statuswechsel aus oder überschreibt es den Status einfach, fehlt die Grundlage für die Analyse. Wo die Daten über eine Schnittstelle abrufbar sind, ist der Konnektor im Kern ein regelmäßiger Datenabruf mit anschließender Umformung.

  • Lücken im Protokoll: Schritte per Telefon, E-Mail oder auf Papier tauchen nicht auf. Der Ablauf wirkt dadurch kürzer und sauberer, als er ist.
  • Uneinheitliche Fall-ID: Wenn Angebot, Auftrag und Rechnung jeweils eigene Nummern ohne Verknüpfung haben, zerfällt ein Fall in drei.
  • Zeitzonen und Batch-Buchungen: Werden Buchungen nachts gesammelt verarbeitet, tragen sie alle denselben Zeitstempel. Die Reihenfolge der Schritte ist dann verfälscht.
  • Zu wenige Fälle: Bei einer Handvoll Vorgängen im Monat ergibt eine Variantenanalyse kein Muster. Ein Interview liefert da mehr.

Welches Prozessanalyse-Tool passt zu welchem Unternehmen?

Entscheidend sind nicht Funktionslisten, sondern drei Fragen zu Ihrem Ablauf. Wenn Sie diese der Reihe nach beantworten, bleibt meist nur noch eine Kategorie übrig.

  1. Läuft der Ablauf größtenteils in einem System mit Zeitstempeln, etwa im ERP oder im Ticketsystem? Wenn nein, kommt Process Mining nicht in Frage, weil das Protokoll fehlt. Dann sind Interviews und Modellierung der richtige Weg.
  2. Soll das Ergebnis später automatisiert oder in Software umgesetzt werden? Wenn ja, lohnt sich BPMN, weil Entwickler das Modell eindeutig lesen können. Geht es nur um eine Verbesserung im Team, reicht ein Flussdiagramm.
  3. Wer pflegt das Ergebnis nach der Analyse? Gibt es niemanden, veraltet jedes Modell. Dann ist ein einfaches Werkzeug, das alle bedienen können, besser als ein mächtiges, das nur eine Person versteht.
  4. Wie viele Fälle laufen pro Monat durch? Bei wenigen Fällen mit vielen Ausnahmen bringt das Gespräch mit den Beteiligten mehr als jede Datenanalyse.

Nach der Analyse folgt meistens die Frage, was davon eine Software übernehmen kann. Welche Abläufe sich dafür eignen und welche nicht, steht im Artikel Prozesse automatisieren im KMU. Für Abläufe, die nur über die Oberfläche alter Programme erreichbar sind, gibt es einen eigenen Beitrag zu RPA und Software-Robotern.

Illustration zur Frage „Welches Prozessanalyse-Tool passt zu welchem Unternehmen?“
KI-generiertes Bild

Woran Prozessanalysen mit Tools scheitern

Die meisten gescheiterten Analysen scheitern nicht am Werkzeug, sondern an der Reihenfolge. Typische Muster:

  • Erst das Tool, dann die Frage: Es wird eine Lizenz gekauft, bevor klar ist, welcher Ablauf welches Problem hat. Danach wird modelliert, was sich leicht modellieren lässt, statt dessen, was wehtut.
  • Soll statt Ist: Das Modell zeigt, wie der Ablauf laut Handbuch laufen sollte. Der Umweg über die Excel-Liste, die eine Kollegin nebenher führt, fehlt dann, obwohl dort oft das eigentliche Problem liegt.
  • Nur die Leitung wird befragt: Wer den Ablauf täglich ausführt, kennt die Ausnahmen. Ohne diese Personen entsteht ein geschöntes Bild.
  • Analyse ohne Messpunkt: Ohne eine erfasste Größe wie Durchlaufzeit oder Zahl der Rückfragen lässt sich später nicht prüfen, ob eine Änderung etwas gebracht hat.
  • Modell als Endprodukt: Ein schönes Diagramm, aus dem keine Maßnahme mit Verantwortlichem und Termin folgt, ändert nichts am Ablauf.

Was kosten Prozessanalyse-Tools?

Seriös lässt sich das nur über die Kostentreiber beantworten, nicht über eine Pauschale. Bei Diagramm- und Modellierungswerkzeugen bestimmen vor allem die Zahl der Nutzer und die Frage, ob Funktionen für Zusammenarbeit, Freigabe und Versionierung nötig sind, das Lizenzmodell. Bei Process Mining kommen weitere Posten hinzu: der Aufbau des Konnektors je Quellsystem, die Bereinigung der Daten bis zu einem brauchbaren Ereignisprotokoll und die laufende Aktualisierung, wenn die Analyse nicht einmalig bleiben soll. Diese Anbindung kostet oft mehr Aufwand als die Lizenz.

Hinzu kommt ein Posten, den viele übersehen: die Zeit der Mitarbeiter in Interviews und Workshops. Einen belastbaren Betrag ergibt erst ein konkretes Angebot des Anbieters für Ihre Nutzerzahl und Ihre Quellsysteme. Bei der Anbindung kommt eine Aufwandsschätzung auf Basis der verfügbaren Schnittstellen hinzu. Wie man KI-Werkzeuge im Unternehmen nach Datenfluss und Schnittstellen auswählt, beschreibt der Beitrag KI-Tools für Unternehmen.

Illustration zur Frage „Was kosten Prozessanalyse-Tools?“
KI-generiertes Bild

Wann sich Unterstützung lohnt

Hilfe von außen lohnt sich vor allem in drei Situationen. Der Ablauf läuft über mehrere Systeme, die nicht miteinander verbunden sind. Aus der Analyse soll eine Automatisierung oder eigene Software entstehen. Oder intern hat niemand Zeit, Interviews zu führen und das Modell zu pflegen. DigifyNow setzt an dieser Stelle an. Wir nehmen den Ist-Ablauf gemeinsam mit den Beteiligten auf, prüfen, welche Systeme Daten über Schnittstellen liefern, und leiten daraus ab, ob sich eine Automatisierung, ein KI-Assistent oder eine eigene Anwendung eignet. Manchmal lautet das Ergebnis auch, dass eine bessere Absprache im Team ausreicht. Die Leistungen dazu sind unter Digitalisierungsberatung beschrieben.

Für ein erstes Gespräch sollten Sie Folgendes bereithalten: eine kurze Beschreibung des Ablaufs, die beteiligten Systeme, eine grobe Zahl der Fälle pro Monat und die Stelle, an der es heute hakt. Damit können Sie über das Kontaktformular eine kostenlose, unverbindliche Einschätzung Ihres Vorhabens anfragen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Prozessanalyse und Process Mining?

Prozessanalyse ist der Oberbegriff für jede Untersuchung eines Ablaufs, ob per Interview, Beobachtung oder Datenauswertung. Process Mining ist eine Methode innerhalb davon. Sie setzt den Ablauf aus Ereignisprotokollen mit Fall-ID, Aktivität und Zeitstempel zusammen. Process Mining erfasst nur, was ein System protokolliert hat. Interviews erfassen auch Schritte per Telefon oder auf Papier, sind dafür aber subjektiver.

Brauche ich für eine Prozessanalyse überhaupt Software?

Für den Einstieg nicht. Ein Workshop mit Haftnotizen und eine Tabelle mit Schritt, Zuständigkeit, Dauer und Wartezeit decken die meisten Fragen im KMU ab. Software wird nötig, wenn das Ergebnis über längere Zeit gepflegt werden muss, mehrere Varianten enthält oder als Vorlage für eine Automatisierung dienen soll. Dann ist ein BPMN-Werkzeug sinnvoller als ein Foto vom Whiteboard.

Kann man Process Mining mit Excel machen?

Die Daten lassen sich in Excel vorbereiten: eine Zeile je Ereignis, Spalten für Fall-ID, Aktivität und Zeitstempel. Varianten und Wartezeiten zwischen Schritten werden aber erst in einem Process-Mining-Werkzeug übersichtlich, weil es alle Fälle automatisch übereinanderlegt. Excel eignet sich also zur Aufbereitung und für Stichproben, nicht für die Darstellung der Varianten.

Ist BPMN für kleine Unternehmen zu kompliziert?

Die vollständige Notation enthält viele Symbole, für die meisten Abläufe reichen aber fünf: Start, Ende, Aufgabe, Gateway und Lane. Damit sind Zuständigkeiten und Verzweigungen eindeutig, im Unterschied zum freien Flussdiagramm. Zu aufwendig wird BPMN, wenn jede Ausnahme bis ins Detail modelliert wird, obwohl niemand das Modell später pflegt.

Kostenlose Einschätzung für Ihr Projekt anfragen